Wenn der Estrich trocken ist, der Trockenbau geschliffen und der Container abgeholt, sieht die Wohnung fertig aus. Sauber ist sie nicht. Der Staub aus diesen Arbeiten ist zu fein, um sich in ein paar Tagen zu legen, und er sitzt genau dort, wo niemand hinschaut. Wer direkt einzieht, verteilt ihn monatelang weiter.
Baustaub ist kein Hausstaub
Beim Schleifen, Bohren, Fräsen und Stemmen entstehen Mischstäube, die fast immer Quarzanteile enthalten. Der alveolengängige Teil davon erreicht die Lungenbläschen und wird als krebserzeugend eingestuft – deshalb schreibt die BG BAU auf Baustellen Bau-Entstauber mindestens der Staubklasse M vor, auch für die reine Reinigung. Für den privaten Bauherrn geht es also nicht um Optik.
Dazu kommt Gipsstaub aus Trockenbau und Spachtelarbeiten: extrem leicht, extrem fein, nach jedem Aufwirbeln minutenlang in der Luft. Ein Wischlappen fängt davon einen Teil. Der Rest verteilt sich.
Die Grobreinigung gehört dem Bausauger
Ein Haushaltsgerät scheitert an dieser Stelle nicht am guten Willen, sondern an der Physik: Feiner Gips- und Estrichstaub legt sich als dichte Schicht auf das Filtermedium, der Volumenstrom bricht innerhalb von Minuten ein, der Motor läuft heiß. Bau-Entstauber der Klasse M haben dafür große Filterflächen und eine automatische Filterabreinigung, die den Belag im Betrieb wieder abrüttelt.
Was man in dieser Phase nicht tut: kehren. Ein Besen befördert den abgesetzten Feinstaub zurück in die Atemluft, statt ihn zu entfernen. Die Reihenfolge ist immer absaugen, dann nebelfeucht wischen – und Fenster dabei auf.
Nach der Endreinigung hört es nicht auf
Der Teil, den fast jeder unterschätzt: Auch nach der Bauendreinigung sitzt Staub in Dehnungsfugen, hinter Sockelleisten, in Rollladenkästen, auf den Oberkanten von Türzargen, zwischen Heizkörperrippen und in der Struktur von Rauputz. Türenschlagen, Stoßlüften, die Konvektion der Fußbodenheizung – all das holt ihn wochenlang zurück auf den Boden.
Realistisch ist deshalb nicht die eine große Endreinigung, sondern sechs bis acht Wochen mit kurzem, regelmäßigem Nachsaugen. Und dieser zweite Teil scheitert in der Praxis meistens an der Hürde davor: Ein Gerät, das im Keller steht, ausgewickelt und angesteckt werden muss, benutzt man nicht täglich fünf Minuten. Eines, das geladen an der Wand hängt, schon. Genau dafür ist ein Akku Staubsauger in dieser Phase das passendere Werkzeug – nicht für den Bauschutt, sondern für die Wochen danach.
Worauf es beim Nachsaugen ankommt
Das Umweltbundesamt führt Staubsaugen ohne Feinstaubfilter im Abluftstrom ausdrücklich als eigene Feinstaubquelle in Innenräumen auf. Ein Gerät ohne dichte Filtration saugt den Baustaub also auf und pustet den feinsten Anteil hinten wieder in den Raum, wo er am längsten schwebt.
Entscheidend sind dabei zwei Dinge, und die Filterklasse allein ist keines davon:
Dichtheit des gesamten Systems. Ein HEPA-Filter bringt nichts, wenn die Luft am Behälterdeckel, am Filterrahmen oder an der Rohrverbindung vorbeizieht. Diese Nebenluft ist ungefiltert. Sinnvoll sind Geräte, bei denen der komplette Weg von der Düse bis zur Abluft abgedichtet ist.
Die Entleerung. Der Moment, in dem der Behälter aufgeht, macht die halbe Filterleistung zunichte, wenn er über dem Küchenmülleimer geöffnet wird. Behälter mit einem Auswurf, der den Staub nach unten aus dem Gerät schiebt, ohne dass man hineingreift, sind hier klar im Vorteil. Geleert wird draußen, und der Filter wird nie in der Wohnung ausgeklopft, sondern ausgewaschen und vollständig getrocknet.
Beides zusammen – dichtes System und staubarme Entleerung – sind auch die Merkmale, nach denen Akku Staubsauger für Allergiker eingeordnet werden. Nach einer Renovierung gilt für alle dasselbe: Der Staub, der aus dem Gerät wieder austritt, war die Arbeit nicht wert.
Kurz gefasst
Für die Baustelle selbst führt an einem Entstauber der Klasse M kein Weg vorbei, alles andere ist Selbstbetrug am Filter. Die eigentliche Arbeit beginnt aber danach: kurzes, tägliches Nachsaugen über mehrere Wochen, mit einem dichten Gerät, das griffbereit hängt. Wer diese zweite Phase überspringt, wohnt noch monatelang im Staub der ersten.