Strohballen als Baustoff für Häuser

Bereits im 19. Jahrhundert wurden in Nebraska erste Häuser aus Strohballen errichtet. Dort konnten Wanderarbeiter keine Ziegel brennen, auch Holz stand nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. So sah man sich gezwungen, Stroh als Baumaterial zu nutzen. Sollte dies anfangs nur eine Zwischenlösung darstellen, so entdeckte man schnell die Vorzüge der Bauweise. Einige der Gebäude, die in dieser Bauweise im 19. Jahrhundert errichtet wurden, stehen auch heute noch.

Da Stroh ein besonders gut dämmender und zugleich nachwachsender Rohstoff ist, hat man sich im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren auf ihn zurückbesonnen und nutzt ihn immer häufiger als natürliches Dämmmaterial.

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Verschiedene Bauweisen und Baustile

Mittlerweile haben sich zwei verschiedene Bauweisen etabliert, die die Verwendung von Strohballen ermöglichen. Bei der tragenden Bauweise wird die Gesamtlast des Gebäudes von den Strohballen getragen. Wesentlich öfter greift man allerdings auf die Holzständerbauweise zurück, bei der die Gefache mit Stroh verfüllt werden. Dieses Material besticht durch ausgezeichnete Wärmedämmeigenschaften, sodass die Normwerte für KfW-Effizienzhäuser deutlich unterschritten werden können. Sogar die Errichtung von Passivhäusern aus Strohballen ist möglich. In der Schweiz plant man zudem Häuser in Betonständerbauweise, die mit Stroh verfüllt werden.

Die aus Strohballen errichteten Häuser können verschiedenste Baustile aufweisen. So gibt es beispielsweise

  • Landhäuser,
  • Fachwerkhäuser,
  • Gebäude im Bauhausstil,
  • Rundhäuser und sogar
  • Villen unterschiedlichster Größe,

deren Mauerwerk aus gepressten Strohballen besteht. Selbstverständlich werden diese entsprechend verfugt und verputzt. Strohballen können zudem auch für die Errichtung mehrgeschossiger Gebäude verwendet werden. So wurde beispielsweise bereits mit dem Bau eines Hotels begonnen, dessen Wände nahezu vollständig aus Strohballen bestehen.

Sicherheitskriterien erfüllt

Fast jeder denkt bei dem Baumaterial Stroh sicher an eine eventuelle Brandgefahr. Diesem Verdacht ist man auch durch verschiedene Tests auf den Grund gegangen. So wurde beispielsweise bei einem vom Fachverband Strohballenbau Deutschland e. V. in Auftrag gegebenen und in der Materialprüfanstalt Braunschweig durchgeführten Testverfahren festgestellt, dass eine aus gepressten Strohballen bestehende und von beiden Seiten verputzte Wand bei Feuer 90 Minuten lang stehen bleibt. Die im Brandschutztest „F90“ festgelegten Kriterien wurden somit vollständig erfüllt.

Nachwachsender Rohstoff

Gerade in Zeiten immer knapper werdender Rohstoffe ist der Einsatz von Stroh mehr als eine Überlegung wert. Getreide, das die Grundlage für Stroh bildet, wird jedes Jahr aufs Neue angebaut und ist zudem regional verfügbar. Somit entfallen lange Transportwege, aber auch die bei anderen Baustoffen notwendigen Produktionskapazitäten und Energiekosten. Das Stroh selbst muss gegebenenfalls nur getrocknet, zurechtgeschnitten und in Ballenform gepresst werden. Dies erfolgt vielfach bereits durch den Einsatz der Mähdrescher, die die Strohbündel direkt nach dem Dreschvorgang auswerfen.

Baustoff Stroh vor Feuchtigkeit schützen

Damit Wände aus Stroh jahre- oder gar jahrzehntelang halten, muss das Material vor Feuchtigkeit geschützt werden. So muss beispielsweise ein ausreichender Dachüberstand eingeplant und ein spezielles Fundament errichtet werden, welche das Eindringen von Nässe verhindern respektive als Feuchtigkeitssperre dient. Empfehlenswert ist beispielsweise ein sogenanntes Punktfundament.

Der aufgebrachte Grundputz sollte aus Kalk sowie Lehmabrieb bestehen. Eindringende Feuchtigkeit wird so schnell aufgenommen und später wieder abgegeben. Kommt das Stroh selbst mit Feuchtigkeit in Berührung, beginnt der natürliche Zersetzungsprozess, was unbedingt verhindert werden sollte.

Meist werden die Außenwände mit einer hinterlüfteten Fassade versehen. Zu diesen gehören beispielsweise Holz- und Putzfassaden. Diese erzeugen im Winter einen sogenannten Kamineffekt, im Sommer sorgen sie für angenehme Kühle im Haus. In vielen Ländern ist es vorgeschrieben, dass das Stroh direkt mit einem Material bedeckt ist, welches einen EI 30 Brandwiderstand aufweist, also einem Feuer mindestens 30 Minuten lang standhält.

Wer sich noch umfassender über das Baumaterial Stroh informieren möchte, findet unter anderem bei Wikipedia und auf der Webseite des Fachverbandes Strohballenbau Deutschland e. V. zahlreiche weitere interessante Fakten zu diesem Thema. Auf der Webseite des Fachverbandes ist zudem eine Liste der örtlichen Fachleute, die sich auf den Bau von Strohballenhäusern spezialisiert oder sich zumindest in diesem Bereich fortgebildet haben, veröffentlicht.

Ein Kommentar

  1. Hallo zusammen,

    Über Stroh und Strohbau kann ich aus fachlicher Sicht und aus eigener Erfahrung ein Lied singen ^^ Stroh bzw. Strohballen sind ein herrliches Material; nicht nur, dass es in der Regel gesundheitlich unbedenklich ist, erreicht man mit aktuellen Bauweisen traumhafte Dämmwerte (u-Werte von unter 0,13 W/m²K), die Heizen fast unnötig machen 😉

    Viele Grüße
    Andreas

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